Samstag, Oktober 01, 2016

Augenblicksbilder IV

© Ilona Heinrich: Flüchtige Begegnungen


Augenblicksbilder
I
Seelen sterben nicht
sie versteinern nur

II
Herbsttage an denen das Leben
ohne Gruß vorüber zieht

III
Am Rand des Schlafes
ein letzter Gedanke -
DU

IV
Allein sein, die Wolken ziehen sehen
wohin der Wind sie treibt

V
Zurückgelassen von einem Tag
der weiterzog

VI
Die Nacht hören
wie sie auf leisen Sohlen
näher schleicht


Donnerstag, September 29, 2016

Lebenslauf eines Wanderers

© Ford Smith

In jungen Jahren mit Zelt und Rucksack
Wochen in unberührter Natur

Mit 60 noch lange Ausflüge in die Berge
Mit 70 hin und wieder um den See herum
Mit 80 eine Stunde bis zum nächsten Hügel
Mit 90 mühsam um das Wohnviertel
Dann mit Gehhilfe durch die Wohnung
Vom Bett zum WC und zurück

Ende der Wanderung



Dienstag, September 27, 2016

Fundstücke

© Duy Huynh

Auf meinen Wanderungen
begegnet mir hin und wieder
ein Gedicht

Ich nehme es auf,
schreibe es nieder
und hoffe

Dass es Leser finden wird
die Freude daran haben


Sonntag, September 25, 2016

Total verlaust

© Jean Michel Basquiat

Selbst der Blick in die Kristallkugel
bringt heute keine Erleuchtung

Dunkle Wolken am Horizont und
frenetisch kratzt sich unsere Erde
das Fell - die braunen Läuse
sitzen immer dichter


Freitag, September 23, 2016

Sich erinnern

© Anita Arvidson Åkerblom

Hin und wieder, doch in letzter Zeit
immer öfter, gedenke ich derer die
nicht mehr unter uns sind

Ich erwecke sie zum Leben und
rede mit ihnen über vergangene
Zeiten, gute wie schlechte

Ja - genau so war das damals,
sagen wir dann einstimmig und
es steigt uns feucht in die Augen

Es ist gut sich zu erinnern
so lange noch Zeit dafür ist


Mittwoch, September 21, 2016

Viel einfacher

© Jean Michel Basquiat

Viel ist schon geschrieben worden über den
Untergang unserer Zivilisation. Kometen die
die Erde treffen, Supervulkane die ausbrechen,
Pandemien die die Menschheit dahinraffen

Wer hätte jemals gedacht, dass es auch
viel einfacher gehen und unsere Welt
sich selbst vernichten könnte ganz ohne
Katastrophen

Kein Komet in Sicht, der auf die Erde stürzt,
kein Ausbruch eines Supervulkans
und keine großen Seuchen wie im
Mittelalter

Nur ein paar geisteskranke Machthaber und
eine Schar religiöser Fanatiker ist vonnöten
sowie der tiefe Unwille der Menschen
friedlich mit einander umzugehen


Montag, September 19, 2016

Die Zeit mit dir

© Jeffrey T. Larson

Ich denke zurück
an die Zeit mit dir

Es war Sommer
es duftete nach Meer und
frischem Heu und wir
waren allein auf der Welt


Samstag, September 17, 2016

Augenblicksbilder III

© Crispin Korschen

Augenblicksbilder
I
Als ich aufschreckte und mich aufmachte
Das Glück zu suchen erfuhr ich,
Dass man es bei mir vermutete

II
Abschied vom Sommer
Das Echo vergangener Tage
Liegt wie Nebel über dem See

III
Der Sommer geht zu Ende
Pelargonien blühen vergebens

IV
In die Stille hinein werfe ich Worte
Wie Steine in einen See

V
An den Bäumen wächst Ungeduld
Und der Wind lässt Winter ahnen

VI
Hinter tickenden Sekunden
Schmilzt die Zeit

VII
Was sich so zusammenbraut
An Erinnerungen
Kein Verlass in Sachen Gehirn

VIII
Was mir bleibt ist die Unruhe,
Die Rastlosigkeit und das
Gefühl der Versäumnis

IX
Irgendwo bin ich zu Hause
Auf dieser Welt
Wenn ich nur wüsste wo


Freitag, September 16, 2016

Zu spät I

© Julian Holtom

Schon immer war es
zu spät, sagte sie

Schon immer
die falsche Zeit
das falsche Leben
das falsche Glück

Dann trennten wir uns
für immer


Mittwoch, September 14, 2016

Sommer V

© Lars Lerin (schwedischer Aquarellist)

Du grüner Engel
Den wir Sommer nennen
Hüllst mich ein
In dein Gefieder
Schenkst mir Hoffnung
Mit deinen Wundern
Gibst mir Zuversicht
Mit deinem Überfluss
Lässt mich vergessen
Dass ein Herbst kommt

Lässt mich glauben
Dass wir unsterblich sind


Montag, September 12, 2016

Nicht einsam

© Elvira Amrhein

Sei nicht einsam, schrieb sie
und zauberte Sternschnuppen
in mein Herz

Nichts ist ohne Hoffnung
nichts ist verloren so lange
man Freunde hat

Du bist nicht einsam Freundin,
so viele Welten, so viele Sterne
die auf uns warten


Samstag, September 10, 2016

Augenblicksbilder II

© Erwin Blumenfeld

Augenblicksbilder II
I
Sonntagmorgen und es regnet
Ideale Bedingung um
Schlechte Gedichte zu schreiben

II
Ich muss es dir irgend wann
Einmal im Vertrauen sagen:
Es hat dich nie gegeben
Du warst immer nur
Mein Wunschtraum

III
Wenig zeitgemäß
Meine romantischen Gedichte.
Knallhart müssen sie heute sein
Und völlig unverständlich


IV
Wie sehr ich mir wünsche
Dass du wieder einmal
Sehnsucht nach mir hast


V
Harte Männer schreiben
Keine Gedichte -
Sie sind viel zu feige dafür



Donnerstag, September 08, 2016

Auf Probe

© Leszek Sokół

Es müsste Leben geben
die zur Probe gelebt
werden können

Nein danke sagt man danach
dieses war auch nicht
nach meinem Geschmack


Dienstag, September 06, 2016

Für M.

© Vangelis Rinas

Abends lese ich in deinen
Gedichten und verliere mich
Im Spiel deiner Fantasie

"Träume werfen Schatten
Und es ist seltsam still
Unter dem Schnee"

Ich stelle mir vor ein
Bär zu sein und suche
Winterquartier in
Deinen Träumen


Sonntag, September 04, 2016

Augenblicksbilder

© Vladimir Kush

Augenblicksbilder
I
Ich sitze im Sessel
Die Sinne zum Zerreißen gespannt.
Flog da nicht eben dieses Wort vorüber
Nach dem ich so lange gesucht habe?

II
Fast herbstlich heute das Wetter
Wo es doch Hochsommer sein sollte.
Die dunkle Wolke am Himmel
Verheißt nichts Gutes

III
Im Nebenzimmer der Fernseher.
Nachrichten, meist schlechte
An gute glaubt schon
Längst keiner mehr

IV
Leben müssen von dem
Was die Natur gibt
Wäre da nicht der
Supermarkt nebenan

V
Sonntagsstille. Die Zeit
Sinnlos und nutzlos
Verstreichen lassen.
Leben


Freitag, September 02, 2016

In die Wüste

© beateundklaus.de

Jetzt, da der Herbst
ins Land zieht
will ich zurückdenken an
warme Sommertage

Erster Herbststurm
fegt übers Land
Krähen wie Geschosse
am Himmel

Ich möchte in die
Wüste fliehen
Füße im warmen Sand und
Karawanen beobachten


Mittwoch, August 31, 2016

Der Sammler

© Solarixx

Ich sammle glückliche Augenblicke
Ordne sie in Worte und Zeilen
Damit sie Bestand haben
Damit sie bei mir sind wenn es
Abend wird im Leben

Ich sammle Erinnerungen
Verberge sie in meinem Herzen
Denn es ist das was bleibt
Über Zeit und Raum
Die Erinnerung an eine Liebe


Dienstag, August 30, 2016

Konsumgesellschaft

© Robert & Shana Parkeharrison

Sie nennen es Konsumgesellschaft
doch in Wirklichkeit sind wir Diebe
die das Eigentum unserer Nachfahren
stehlen und sinnlos vergeuden.
Diebe, die die Erde ärmer machen
von Tag zu Tag, Tiere ausrotten,
Bodenschätze plündern, das Klima
verändern und Kriege anzetteln

Wir nennen es Konsumgesellschaft -
für die Kosten lassen wir andere
teuer bezahlen


Sonntag, August 28, 2016

Latein

© Martin Haake

Drei Jahre Lateinunterricht haben
k
eine tieferen Spuren bei mir hinterlassen

Nur ein paar kluge Sprüche sind
geblieben wie „ubi bene ibi patria,
wo es mir gut geht ist mein Vaterland

Meinen Wandertrieb nannten sie es
als ich einst die Heimat verließ
und das Abenteuer suchte

Doch es war eher eine Flucht -
die Flucht vor lebenslanger Sesshaftigkeit
und Behäbigkeit, die aus freien Menschen

den guten Bürger macht, der ich nie sein wollte


Freitag, August 26, 2016

Seit einiger Zeit

© Solarixx

Auf der  Zunge noch den Geschmack
von Frühling doch in die Seele
hat der Herbst Einzug gehalten

Meine Liebste hat grüne Augen
auch der Herbst kann ihr
das nicht nehmen

Sie streut Rosen in mein Herz
doch seit einiger Zeit
werfen meine Gedanken Schatten


Mittwoch, August 24, 2016

Geschichtsunterricht

© Stefano Bonazzi

Meinen Enkeln erzähle ich, dass die Erde
grün und fruchtbar war in meiner Jugend,
Flüsse und Seen kristallklar
und die Meere reich an Fischen.
Die Menschen bescheidener als heute

Meine Enkel wundern sich -
sie haben Geschichtsunterricht
in der Schule und fragen mich
warum es denn dann dauernd
Kriege gab in Europa

Als sie gegangen sind, denke ich
über diese Frage lange nach und
komme zu keiner anderen Erklärung
als die bodenlose Gier nach Macht
und die Dummheit unserer Politiker

Dereinst werden meine Enkel ihren Enkeln erzählen,
dass es in ihrer Jugend noch genügend Wasser gab
für die meisten Menschen, dass man noch kleine grüne
Oasen hatte zwischen Häusermeeren und weite Teile
der Erde noch nicht vergiftet und verstrahlt waren

Ihre Enkel fragen dann verwundert warum sie nichts
unternommen haben um dieser Entwicklung Einhalt
zu gebieten. Die Enkel haben schon lange keinen
Geschichtsunterricht mehr und können nicht wissen,
dass hart gekämpft wurde, aber nicht um die Erde
vor Unheil zu bewahren sondern jeder um seinen Besitz
vor denen zu schützen die schon keinen mehr hatten


Montag, August 22, 2016

Sehnsucht des Zugvogels

© solarixx

Mit den ersten Herbststürmen
Erwacht die unstillbare Sehnsucht
Des Zugvogels in mir

Nordwinde treiben mich nach Süden
Am Horizont ein Hoffnungsschimmer
Dort wartest du auf mich

Doch wenn es Frühling wird
Muss ich zurück, zurück in die
Unendlichen Weiten des Nordens

Es ist das Schicksal des Zugvogels
Ohne Heimat zu sein -
Doch nie ohne Liebe


Sonntag, August 21, 2016

Bildungslücke

© Jean Michel Basquiat

Gestern wurde mein Blog von
120 Lesern in Mauritius aufgerufen

Ich fühle mich schuldig weil ich
nicht einmal weiß wo
das Land liegt ein Inselstaat
vor Afrika glaube ich

Vielleicht sollte man einmal hinfahren
und sich bejubeln lassen …


Freitag, August 19, 2016

Die Zeit III

© Tindaro Calia

Behutsam lege ich
mein Ohr an die Zeit
und höre die Zeit
leise weinen

Ja - es sind
schlimme Zeiten


Mittwoch, August 17, 2016

Wie Schnee der schmilzt

© David Farrant

Wenn es Herbst wird
Will ich mit den Wildgänsen
Nach Süden ziehen
Dorthin wo die Nächte
Lau sind und der
Hibiskus blüht
Dorthin wo du auf mich
Wartest

Und die langen
Vergeblichen Jahre
Werden abfallen von uns
Wie Schnee der schmilzt