Mittwoch, August 24, 2016

Geschichtsunterricht

© Stefano Bonazzi

Meinen Enkeln erzähle ich, dass die Erde
grün und fruchtbar war in meiner Jugend,
Flüsse und Seen kristallklar
und die Meere reich an Fischen.
Die Menschen bescheidener als heute

Meine Enkel wundern sich -
sie haben Geschichtsunterricht
in der Schule und fragen mich
warum es denn dann dauernd
Kriege gab in Europa

Als sie gegangen sind, denke ich
über diese Frage lange nach und
komme zu keiner anderen Erklärung
als die bodenlose Gier nach Macht
und die Dummheit unserer Politiker

Dereinst werden meine Enkel ihren Enkeln erzählen,
dass es in ihrer Jugend noch genügend Wasser gab
für die meisten Menschen, dass man noch kleine grüne
Oasen hatte zwischen Häusermeeren und weite Teile
der Erde noch nicht vergiftet und verstrahlt waren

Ihre Enkel fragen dann verwundert warum sie nichts
unternommen haben um dieser Entwicklung Einhalt
zu gebieten. Die Enkel haben schon lange keinen
Geschichtsunterricht mehr und können nicht wissen,
dass hart gekämpft wurde, aber nicht um die Erde
vor Unheil zu bewahren sondern jeder um seinen Besitz
vor denen zu schützen die schon keinen mehr hatten


Montag, August 22, 2016

Sehnsucht des Zugvogels

© solarixx

Mit den ersten Herbststürmen
Erwacht die unstillbare Sehnsucht
Des Zugvogels in mir

Nordwinde treiben mich nach Süden
Am Horizont ein Hoffnungsschimmer
Dort wartest du auf mich

Doch wenn es Frühling wird
Muss ich zurück, zurück in die
Unendlichen Weiten des Nordens

Es ist das Schicksal des Zugvogels
Ohne Heimat zu sein -
Doch nie ohne Liebe


Sonntag, August 21, 2016

Bildungslücke

© Jean Michel Basquiat

Gestern wurde mein Blog von
120 Lesern in Mauritius aufgerufen

Ich fühle mich schuldig weil ich
nicht einmal weiß wo
das Land liegt ein Inselstaat
vor Afrika glaube ich

Vielleicht sollte man einmal hinfahren
und sich bejubeln lassen …


Freitag, August 19, 2016

Die Zeit III

© Tindaro Calia

Behutsam lege ich
mein Ohr an die Zeit
und höre die Zeit
leise weinen

Ja - es sind
schlimme Zeiten


Mittwoch, August 17, 2016

Wie Schnee der schmilzt

© David Farrant

Wenn es Herbst wird
Will ich mit den Wildgänsen
Nach Süden ziehen
Dorthin wo die Nächte
Lau sind und der
Hibiskus blüht
Dorthin wo du auf mich
Wartest

Und die langen
Vergeblichen Jahre
Werden abfallen von uns
Wie Schnee der schmilzt


Montag, August 15, 2016

Das Gurren von Tauben

© Ilona Heinrich

Der Sommer beeilt sich
eben hat er noch geblüht
bald trägt er Frucht
dann geht er zur Ruhe

Dürres Laub wird bleiben
und die Erinnerung an
das Gurren von Tauben
in der Abenddämmerung


Samstag, August 13, 2016

An einem Sommertag

© Josef Kote

Zu erwähnen wäre da noch
dieser Sommertag

Ein Hauch von Herbst lag in der Luft
Wolken zogen vorüber

Ich  warf einen Stein in den See
und wartete auf das Wunder


Donnerstag, August 11, 2016

Am Fenster V

© David Farren

Vom Hotelfenster sehe ich hinaus
auf die vertraute Silhouette
der Stadt

Hier stand ich vor langer Zeit
und wartete vergebens auf das
Geräusch deiner Schritte

Langsam senkt sich
die Dämmerung
Leuchtreklamen flammen auf

Ich wende mich ab
und sitze noch lange im
Halbdunkel



Dienstag, August 09, 2016

Im Laufe des Tages

© Jean Michel Basquiat

Morgens im Badezimmerspiegel
ernüchternder Anblick -
älter als gedacht, dabei doch
so schön von dir geträumt

Die Morgenstunden sind immer
die schlimmsten. Im Laufe des Tages
gewöhnt man sich dann wieder an
die Unbilden des Lebens

Gegen Abend im Takt mit
steigendem Alkoholspiegel
wirkt das Leben sogar erträglich -
so kann man sich täuschen


Sonntag, August 07, 2016

Heckenrosen

© www.eggert.de

Nicht wahrhaben wollen
dass alles nur Erinnerung ist

Der Park, der Weg hinauf zur Burg
die alte Stadt tief unter uns
die Bank auf der wir saßen und
Pläne schmiedeten

Und immer wenn ich daran denke
blühen Heckenrosen
Ich schließe die Augen, atme ihren Duft
und es ist wieder Frühling


Freitag, August 05, 2016

Unberührte Natur

© Ilona Heinrich "Der Suchende"

Hin und wieder begegnet mir
ein Gleichgesinnter auf meinen
einsamen Wanderungen

Dann stehen wir eine Weile,
tauschen Gedanken aus und
machen uns Sorgen über die
ungehemmte Ausbreitung der
Zivilisation auf Kosten
unberührter Natur

Später kehren wir in die
Zivilisation zurück, denn wer 
verzichtet schon freiwillig auf 
Einkaufszentrum und Pizzeria


Mittwoch, August 03, 2016

Wo Hoffnung wohnt

© Duy Huynh

Ein jeder hat in seiner Seele
einen Platz wo Heimat ist
wo Eltern wohnen und
man Kind sein kann

Ein jeder hat in seiner Seele
einen Platz wo Hoffnung wohnt
ganz im Geheimen und
wo Träume wachsen

Man muss den Platz nur finden


Montag, August 01, 2016

Audrey Niffenegger

© www.mygeo.info

In diesen schlimmen Zeiten kommt mir immer wieder
ein Gedicht der amerikanischen Schriftstellerin
Audrey Niffenegger in den Sinn:

Later that night
I held an atlas in my lap
Ran my fingers across the whole
World
And whispered
Where does it hurt?

It answered
Everywhere
Everywhere
Everywhere

auf deutsch:

Später diese Nacht
Hielt ich einen Atlas in der Hand
Fuhr mit dem Finger über die
Ganze Welt
Und flüsterte
Wo tut es denn weh?

Sie antwortete
Überall
Überall
Überall


Montag, Mai 30, 2016

Zärtliche Worte

© Emil Olsson

Mit Schlangenblick spähe
ich um sechs Ecken
Du schreibst nicht mehr

Hat sich ein Anderer
in dein warmes Nest
geschlichen und flüstert
zärtliche Worte in dein Ohr?


Samstag, Mai 28, 2016

Lebensjahre

© Rich Klopfer

Damals als wir Hand in Hand
standen beim Ruf des Kuckucks
und die Jahre unseres
Lebens zählten

So viele waren es und
so wenige sind geblieben
doch noch immer halte ich
deine Hand


Donnerstag, Mai 26, 2016

Ohne Internet

© Alla Goniodsky

Engel brauchen kein Internet
Gott hat keine Webseite
Gebete statt E-Mail
Erleuchtung ohne Bildschirm

Ein beschauliches Leben
Als Heilige auf Erden wandelten
Und starker Glaube noch
Keine Bedrohung war


Dienstag, Mai 24, 2016

So einfach I

© Gerhard R

Ich habe dich damals
nicht kommen hören -
du warst einfach da
in meinem Leben

Jetzt sehe ich dir an dass
du wieder gegangen bist


Sonntag, Mai 22, 2016

Don Quichotte

© Gerhard R

Wie Don Quichotte de la Mancha
kämpfe ich auf verlorenem Posten
doch nicht gegen Windmühlen
sondern gegen Jahre

Gelebte Jahre die der Wind mit
sich nahm wie Sand in der Wüste
wie Blütenstaub im Mai

Gelebte Augenblicke die Spuren
hinterließen an der Seele, die Bilder
hinterließen im Gedächtnis, die Sehnsucht
hinterließen über Zeit und Raum

Wie Don Quichotte kämpfe ich
auf verlorenem Posten
gegen die Unbilden des Alterns


Samstag, Mai 21, 2016

Nicht alles nachtschwarz

© www.alamy.com

Aufwachen in der Nacht
Mit dem Kopf voll
Unsinniger Gedanken

Alles nachtschwarz
Innen wie außen

Doch von fern dieses himmlische
Leuchten der Reklameschilder
Und getröstet schlafe ich weiter

Noch ist die Menschheit
Nicht verloren


Donnerstag, Mai 19, 2016

Himmel und Hölle III

© Duy Huyngh

Ein Tag wie jeder andere
der Himmel über mir
die Hölle unter mir

Dazwischen was man Leben nennt
und oft nicht weiß ob's zu dem
einen oder anderen gehört


Montag, Mai 16, 2016

Vor der Abreise

© Michael Sowa

Immer dieses Gefühl der Unsicherheit
Wenn es auf Reisen geht

Werden die Blumen überleben?
Könnte ein Wasserhahn undicht werden
Oder Feuer ausbrechen
Sind alle elektrischen Geräte abgeschaltet
Was, wenn ein wichtiges Schreiben kommt
Oder ein dringender Telefonanruf
Was, wenn man im Urlaub krank wird
Oder das Flugzeug abstürzt -
Wer wird sich dann um die Katze kümmern
Wird sie unglücklich sein?

Vielleicht sollte man doch lieber zu Hause
Bleiben und es sich gemütlich machen
Zusammen mit der Katze ...


Samstag, Mai 14, 2016

Unter dem Magnolienbaum

© www.jally.de

Auf der Suche nach Worten
die ausdrücken könnten wofür

es eigentlich keine Worte gibt

Die erinnern könnten an eine
längst verklungene Melodie,
den schwachen Nachklang
eines Parfüms im Zimmer
als du gegangen warst
An die Magnolie unter der wir standen
und nicht ahnten was das Schicksal
für uns in Bereitschaft hatte

Auf der Suche nach Worten die
verloren gegangene Träume
ersetzen könnten


Donnerstag, Mai 12, 2016

Destabilisierung

© Clemens Briels

Die Flüchtlingsströme - vielleicht
Teil eines teuflischen Plans des
IS um Europa zu destabilisieren
und zu schwächen

Wie es aussieht, gelungen
mit Hilfe der Uneinigkeit und
Unentschlossenheit
europäischer Machthaber


Dienstag, Mai 10, 2016

Für immer

© Solarixx

Ich erinnere mich an den
Salzigen Geschmack beim Abschied
An den Wind der dir durchs Haar blies
Und die vertraute Geste mit der du
Die Strähnen wieder zurück strichst

Ich sehe sie immer noch vor mir
Die leere Straße zum Grenzübergang
Und wie du stehen und winken würdest
Bis ich verschwunden war

Ich erinnere mich an jene verzehrende
Unendliche Traurigkeit in mir weil es
Ein Abschied für immer war und du
Es nicht wissen konntest


Sonntag, Mai 08, 2016

Suche nach Heimat III

© Ton Schulten

Irgend wann muss ich
Noch einmal in die
Alte Heimat fahren
Muss mich berieseln lassen
Von Nostalgie und
Ausschau halten
Nach Überlebenden ...